TerraMind Basic

Modelle verstehen, Kontext gestalten,
Arbeit sinnvoll delegieren.

Kapitel 1
Was hinter Deinem KI-Tool steckt

Wir schauen uns an, was eigentlich passiert, wenn Du etwas in ein KI-Tool eintippst. Und warum eine Antwort überzeugend klingen kann, ohne dass sie stimmt.

Kapitel 2
Woher die Antwort kommt

In eine Antwort fließt sehr viel mehr ein als das, was Du gerade schreibst. Wir gehen die Quellen durch, und Du siehst, welche davon Du selbst steuern kannst.

Kapitel 3
Vom Chat zum agentischen Arbeiten

Ein KI-Tool kann inzwischen sehr viel mehr, als nur zu antworten. Wir schauen uns an, welche Zutaten es dafür braucht und welche Du davon wirklich brauchst.

Kapitel 4
KI führen

Hier geht es um den Teil, den kein Tool übernimmt. Also darum, was Du tust, wenn ein Ergebnis nichts taugt, und woran Du überhaupt erkennst, ob es taugt.

ChatGPT und Claude KI

Kapitel 1

Was hinter Deinem KI-Tool steckt

Am Ende dieses Kapitels weißt Du, was hinter der Oberfläche steckt, mit der Du jeden Tag arbeitest. Und Du verstehst, warum ein Sprachmodell so überzeugend klingen kann, obwohl es im Grunde gar nichts weiß.

1.1 · Modell und Anwendung

Das KI-Tool ist die Tür zum Modell.

Tippe eine Schicht an.

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Es gibt drei Ebenen, die im Alltag ständig durcheinandergeraten.

Das Unternehmen. OpenAI und Anthropic sind Firmen. Sie entwickeln die Modelle und bauen die Produkte drumherum.

Das Produkt. ChatGPT ist das Produkt von OpenAI, Claude das von Anthropic. Was Du bedienst, ist immer das Produkt.

Das Modell. Darin steckt die eigentliche Sprachfähigkeit, und darin steckt auch das, was ein KI-Tool von normaler Software unterscheidet. Dort werden die Daten nämlich auf eine ganz andere Art verarbeitet.

Praktisch wichtig wird das dadurch, dass die KI-Tools meist verschiedene Modelle beinhalten und Du es selbst auswählen kannst. Diese Auswahl verändert das Ergebnis oft stärker, als wenn Du Deine Frage umformulierst. Und wer gar nicht weiß, dass er wählen kann, der wählt eben auch nie.
1.2 · Klassische Software und lernende Systeme

Regeln versus Muster

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In klassischer Software sind die Regeln einprogrammiert. Beim Taschenrechner ist 12 mal 8 immer 96, und bei einer komplizierteren Software kann Dir die Entwicklerin grundsätzlich sagen, was herauskommen wird. Sie hat die Regeln ja selbst hineingeschrieben. Ganz ohne Überraschungen ist auch das nicht, schließlich gibt es ja Softwarefehler. Trotzdem ist die Logik hinter einer klassischen Software jederzeit nachvollziehbar.

Bei einem Sprachmodell ist das anders. Dort sind es keine Regeln, sondern Muster, die das Modell im Training selbst gelernt hat.

Menschen geben trotzdem einiges vor: die Architektur, das Trainingsziel, die Auswahl und Aufbereitung der Daten und ein Nachtraining, in dem das Verhalten geformt wird. Welche Wahrscheinlichkeiten am Ende herauskommen, schreibt dagegen niemand explizit hinein.

Wenn dort steht „Zum Mittagessen gibt es", dann ist Nudeln sehr wahrscheinlich. Dieses Muster hat niemand hineingeschrieben, das Modell hat es aus den Daten gelernt. Das heißt auch, dass niemand vorher genau weiß, was herauskommt. Auch die Entwickler selbst können in aller Regel nicht erklären, warum genau diese eine Antwort entstanden ist.
Es gab schon Fälle, in denen ein Modell eine Aufgabe auf einem Weg gelöst hat, der rechtliche Grenzen gesprengt hat. Genau genommen hat es dabei alles richtig gemacht, es hat ja die gestellte Aufgabe gelöst. Nur der Weg war einer, den niemand vorhergesehen hatte und der letztendlich hochproblematisch war.

So dramatisch wird es in unserer Arbeit natürlich nicht. Es wird Dir trotzdem begegnen, dass das Tool auf einmal etwas ganz anderes macht, als Du erwartet hast. Manchmal - inzwischen sogar häufig - ist das sogar besser als das, was Du Dir vorgestellt hattest.

Trotzdem liegt es weiterhin bei Dir zu bewerten, ob es wirklich die bessere Lösung ist, oder ob Deine ursprüngliche Idee für Dein Ziel und für Deine Werte doch die passendere gewesen wäre!
1.3 · Das LLM (Large Language Model)

Das Sprachmodell gibt aus, was wahrscheinlich folgt.

Vereinfachtes Beispiel zur Veranschaulichung und die Zahlen hier sind erfunden. Ein echtes Modell wählt nicht aus vier Wörtern, sondern aus zehntausenden kleineren Bausteinen.

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Ganz banal ausgedrückt läuft es so: Wenn Du eine Eingabe machst, finden im Modell Berechnungen statt, die unfassbar kompliziert sind. Am Ende steht eine Wahrscheinlichkeitsverteilung für den nächsten Wortabschnitt (sogenannte Tokens). Daraus wird einer ausgewählt, dann wird die nächste Verteilung berechnet und die nächste, und irgendwann steht ein Satz da.

Es gibt also keinen Ort im Modell, an dem Dein Satz vorher schon stand. Er entsteht in diesem Moment. Deshalb funktioniert das Modell auch bei Fragen, die so noch nie jemand gestellt hat, und deshalb erzeugt es genauso flüssig etwas, das es nie gegeben hat.

Deswegen fällt eine Antwort meistens anders aus, auch wenn Du dieselbe Frage nochmal stellst. Bei manchen Einstellungen kann sie allerdings auch sehr ähnlich oder zufällig sogar gleich ausfallen.
Man liest oft, das Modell nehme immer das wahrscheinlichste Wort. So einfach ist es nicht.

Das Modell berechnet eine Wahrscheinlichkeitsverteilung für den nächsten Wortabschnitt. Je nach Einstellung wird daraus zufällig oder nach bestimmten Regeln das nächste Token gewählt. Ist die Einstellung auf viel Zufall gestellt, kommen auch unwahrscheinlichere Fortsetzungen zum Zug, und der Text wirkt kreativer. Steht sie auf wenig Zufall, bleibt das Modell näher an der wahrscheinlichsten Variante.

Für Dich heißt das vor allem: Dieselbe Frage wird fast immer zu unterschiedlichen Antworten führen.
Das Modell schlägt nichts in einer Datenbank nach. Es berechnet, was am ehesten weitergeht.
1.4 · Plausibel ist nicht wahr

überzeugend richtig

Ein Modell könnte Unsicherheit in der Antwort zwar formulieren, tut es allerdings meist nur bei ausdrücklicher Aufforderung. Die selbstbewusste Ausdrucksweise ist kein Maßstab dafür, ob eine Aussage stimmt.
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Überzeugend heißt nicht richtig.

Überzeugend einfühlsam ist nicht wirklich einfühlsam.

Überzeugend verständnisvoll ist nicht wirklich verständnisvoll.

Es ist immer nur eine Berechnung von Wahrscheinlichkeiten.

Das können wir uns gar nicht oft genug bewusst machen, weil es das Abgrenzen so viel leichter macht. Egal was dieses Ding Dir gerade erzählt, wie sehr es Dich auch begeistert, Dir schmeichelt, Du Dich verstanden und vielleicht auch hervorragend beraten fühlst:

Mach Dir IMMER klar, dass es sich nur um eine Maschine handelt, die Wahrscheinlichkeiten berechnet.

Bei den heutigen Modellen passiert es übrigens kaum noch, dass offensichtlicher Unsinn herauskommt. Genau das macht es noch schwieriger. Die Eingaben sind größer geworden, die Ausgaben sind ewig lange Texte, und zu entscheiden, ob so eine Antwort wirklich sinnvoll ist, erfordert inzwischen ganz schön viel Kompetenz.
Eine Teilnehmerin hat es mal so beschrieben:

„Als ich angefangen haben, hat die KI ja noch so viele Fehler gemacht. Du sagtest damals: "Seid froh, weil ihr dadurch skeptisch seid." Inzwischen finde ich die Antworten immer so überzeugend und auch meistens richtig, dass ich fast alles glaube. Zu Beginn war es oft: Könnte sein, aber wer weiß, ob das nicht halluziniert ist. Das hat sich so verändert, dass man aus Bequemlichkeit eher glaubt, es sei richtig, anstatt es infrage zu stellen."

Und genau darin liegt die Gefahr. Sobald sich alles richtig und funktionierend anfühlt, hat man gar kein Bedürfnis mehr zu verstehen, was darunter eigentlich passiert. Wir müssen ja nichts mehr dafür tun, damit es oberflächlich betrachtet gut läuft. Und dann geben wir uns mit diesem "oberflächlich betrachtet" zufrieden.
Wie sicher es klingt, sagt Dir nichts darüber, wie sicher es ist.
Kapitel 2

Woher die Antwort kommt

Danach weißt Du, woher eine Antwort eigentlich kommt, und Du kennst die Stellschrauben, an denen Du selbst drehen kannst.

2.1 · Einflüsse auf die Antwort

Die Eingabe im Chatfenster macht nur einen Teil der Antwort aus.

Trainings-wissen(steckt im Modell) System-anweisung Einstellungen& Memory (globalund projektbezogen) Web-suche Chat Dateien undWissen überKonnektoren Antwort

Der violette Strom links ist gesondert: Trainingswissen steckt im Modell selbst, alles andere wird für diese eine Anfrage zusammengestellt. Nur die drei rechten steuerst Du in dem Moment, in dem Du tippst.

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Das Trainingswissen steckt im Modell selbst, in seinen sogenannten Gewichten. Es wird nicht bei jeder Anfrage mitgeschickt, es ist einfach da. Alles andere landet dagegen im Kontextfenster, also in dem, was das Modell für diese eine Anfrage zu lesen bekommt.

Was im Kontextfenster landet:

Die Systemanweisung des Anbieters. Stell Dir vor, über Deinem Chatfenster stünde unsichtbar schon etwas geschrieben. Regeln, Tonfall, Sicherheitsvorkehrungen. Das macht einen ganz großen Anteil daran aus, dass sich die Tools wie unterschiedliche Persönlichkeiten anfühlen.

Dauerhafte Einstellungen und Memory. Das, was Du selbst hinterlegt hast, und das, was sich das Tool nebenbei gemerkt hat.

Ergebnisse von Websuche. Diese Informationen "holt" sich das KI-Tool selbständig oder nach Deinen Vorgaben.

Chat, Dateien und Konnektoren. Deine Eingabe, angehängte PDFs oder E-Books, und über Verbindungen zu anderen Tools kann sich das Modell noch weitere Informationen holen.
Man denkt leicht: Im Trainingswissen steckt doch schon das ganze Internet, wozu dann noch recherchieren?

Es steckt nur das Internet bis zum Ende des Trainings darin, und es steckt auch nicht als nachschlagbares Wissen darin, sondern als gelernte Wahrscheinlichkeiten. Die Tools gehen inzwischen meistens von selbst nachsehen, wenn es relevant erscheint, und geben auch Quellen an. Du kannst es jederzeit ausdrücklich verlangen und sagen: Recherchier das bitte nochmal im Netz.
Der größte Datenbatzen, der da hineingeschüttet wird, ist Text aus dem Internet. Nur bildet das Internet die Realität nicht ab.

Sprachlich. Englischsprachige Inhalte sind massiv überrepräsentiert. Für kleinere Sprachen gibt es viel weniger Material, und die Modelle sind dort messbar schwächer.

Kulturell und geografisch. Wer viel ins Internet schreibt, ist selbst schon eine Auswahl. Bestimmte Regionen, Altersgruppen und Milieus sind viel stärker vertreten als andere, manche kommen praktisch gar nicht vor.

Zeitlich. Was in den letzten Jahren viel diskutiert wurde, ist besser abgedeckt als ältere oder Nischenthemen.

Das wirkt sich direkt auf die Wahrscheinlichkeiten aus, und das müssen wir im Blick haben. Dazu kommt, dass jedes Unternehmen selbst entscheidet, welche Daten es verwendet und wie es sie aufbereitet. Wenn Du ein anderes Modell wählst, bekommst Du also auch deshalb andere Antworten.
2.2 · Das Kontext-Mischpult

Dieselbe Frage, anderer Kontext, andere Antwort.

Schalte die Quellen nacheinander dazu. Die Frage bleibt dabei Wort für Wort dieselbe.

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Das Trainingswissen ist immer mit dabei, dagegen können wir gar nichts machen, und genauso ist es mit der Systemanweisung. Alles andere entscheidest Du.

Die Frage bleibt in allen Stufen Wort für Wort dieselbe. Es gibt keinen Trick in der Formulierung und keine Rollenanweisung. Der ganze Unterschied zwischen der ersten und der letzten Antwort entsteht durch Kontext.

Dabei reicht oft schon eine Kleinigkeit. Wenn in Deinen Einstellungen steht, dass Du vegetarisch isst, dann wird die Antwort automatisch schon ein bisschen besser.
Am deutlichsten wird es bei Fragen, deren Antwort nur Du kennen kannst.

Frag ein Tool ohne jeden Kontext, wie viele Leute sich bisher für Deinen Workshop angemeldet haben. Es wird Dir keine Zahl nennen können, das ist in Ordnung. Frag es dagegen, ob Dein Preis angemessen ist, dann bekommst Du sehr wohl eine Antwort. Nur beruht die auf gar nichts, weil das Tool weder Deinen Markt noch Deine Zielgruppe noch Deine Kostenstruktur kennt.

Das ist der unangenehme Teil: Bei der ersten Frage merkst Du sofort, dass etwas fehlt. Bei der zweiten nicht.
2.3 · Kontext ist begrenzt

Mehr Kontext ist nur dann besser, wenn er relevant ist.

Leg hinein, was Du für diese Aufgabe mitgeben würdest. Antippen legt hinein, nochmal antippen nimmt heraus.

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Man könnte ja denken, umso mehr Kontext, umso besser. Das gilt nur dann, wenn der Kontext auch die richtigen Wahrscheinlichkeiten anstößt.

Steckt viel Material darin, das mit der Aufgabe nichts zu tun hat, kann das Modell daraus die falschen Schlüsse ziehen. Ganz platt gesagt: Wenn es im Kontext dauernd um die Kursplattform geht, dann könnte es berechnen, dass die auch für den Workshop relevant ist, und bringt sie irgendwie in der Einladung unter.

Bei den aktuellen Modellen passieren solche Fehler nicht mehr so offensichtlich, sondern eher subtil und irgendwo unten drunter. Die Logik dahinter ist genau diese.
Alles, was im Modell passiert, kostet Rechenleistung, und Rechenleistung kostet Energie und damit Ressourcen. Das ist nichts, was man vernachlässigen sollte.

Gleichzeitig bitte ich Dich, Dich damit nicht verrückt zu machen. Ein sehr großer Teil des Verbrauchs steckt schon im Training, also dort, wo die riesige Datenmenge in das Modell hineingebracht wurde. Wie sich das genau verteilt, hängt vom Modell ab und davon, wie oft es benutzt wird. Ob Du ein Wort mehr oder weniger tippst, fällt für Dich jedenfalls kaum ins Gewicht.

Relevant wird es bei größeren Mengen, und zwar auch im Hinblick auf Deine eigenen Kosten und darauf, dass Du nicht an Kapazitätsgrenzen kommst.
Vielleicht kennst Du das: Ein Chat fängt mit irgendeinem Thema an. Irgendwann kommt während des Gesprächs die Idee, dass Du dazu doch einen Workshop machen könntest. Dann wird im selben Chat besprochen, worum es in dem Workshop eigentlich geht und für wen Du ihn machst. Das sind lauter Informationen, die für eine Einladung tatsächlich sehr relevant sind.

Nur stehen oben drüber vielleicht noch zwei Stunden, in denen Du mit dem Tool über ein persönliches Problem geredet hast, aus dem die Idee überhaupt erst entstanden ist. Wenn Du jetzt die Einladung schreiben lässt, kann die Qualität enorm nach unten gehen, weil einfach zu viel Kontext von oben mitgezogen wird.

Ganz am Anfang der KI-Tools war es oft so, dass sich ein Chat nach etwa fünfzig Nachrichten spürbar aufgehängt hat. Es drehte sich dann nur noch im Kreis und wurde irgendwie komisch. Das passiert längst nicht mehr so oft. Es passiert aber trotzdem noch, gerade wenn Du immer wieder sagst „Nee, so gefällt mir das nicht" und dann „Ach nee, das vorher war doch besser".
Unwichtiges verdrängt Wichtiges. Auch dann, wenn noch Platz ist.
2.4 · Erinnerung

Je mehr Erinnerung, desto bequemer und desto weniger Kontrolle.

Globale Erinnerungen

meist einseh- und bearbeitbar

Das ist das, was Du selbst hinterlegt hast, und das, was das Tool als Eintrag gespeichert hat. Beides kannst Du Dir ansehen, ändern und wieder löschen.

Chatübergreifende Erinnerungen

implizit

Hier greift das Tool auf frühere Unterhaltungen zu. Eine Liste zum Durchsehen gibt es dafür nicht, sondern nur einen Schalter für alles oder nichts.

Projektbezogene Erinnerungen

tool-abhängig

Diese Erinnerungen gelten nur innerhalb eines Arbeitsbereichs. Beide Tools können das, die Details sind aber unterschiedlich und ändern sich auch immer wieder.

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Die Erinnerungen kannst Du komplett ausschalten oder auf verschiedenen Ebenen zulassen.

Globale Erinnerungen. Die kannst Du Dir ansehen und einzeln wieder löschen. Du kannst sie auch aktiv ansteuern, indem Du sagst „Merk Dir das mal bitte", dann wird es abgespeichert. In ChatGPT und Claude sieht das jeweils ein bisschen anders aus.

Chatübergreifende Erinnerungen. Hier wird es diffus. Diese Erinnerungen sind nicht explizit irgendwo abgelegt. Es fühlt sich eher so an, als würde das Tool in den alten Chats nachschauen, ob dort etwas steht, das für das aktuelle Gespräch relevant ist. Ich habe einiges ausprobiert und konnte trotzdem nicht sauber herausfinden, was das Tool wo weiß. Ich war immer wieder erstaunt, dass es an Stellen etwas wusste, wo ich dachte, das dürfte es eigentlich gar nicht.

Offen ist zum Beispiel auch, ob ein gelöschter Chat sofort aus diesen Erinnerungen verschwindet. Chats werden auf den Servern ja ebenfalls nicht sofort gelöscht, da gibt es Fristen von etwa dreißig Tagen.

Projektbezogene Erinnerungen. Die gelten innerhalb eines Projekts, und auch das ist in beiden Tools ein bisschen unterschiedlich gelöst.

Anders als bei klassischer Software gibt es hier kein Handbuch, in dem steht: Wenn das passiert, dann passiert jenes. Bei den Erinnerungen ist das wirklich sehr unscharf, und es ändert sich außerdem ständig wieder.
Wenn Du ein paar Wochen mit einem Tool bei eingeschalteten Erinnerungen gearbeitet hast und dann fragst „Sag mir mal etwas, was ich selbst über mich nicht weiß" (oder eine ähnliche "Analysefrage"), dann kommen teilweise wirklich treffende und hilfreiche Hinweise heraus.

Das Modell kann wiederkehrende Muster in einer riesigen Menge an Daten finden und ist dem Menschen darin deutlich überlegen. Es sieht Wiederholungen, die uns selbst gar nicht auffallen, weil sie über Wochen verteilt sind. Damit kann es uns super den Spiegel vorhalten.

Genauso hilfreich ist, dass Du nicht mehr bei jedem neuen Chat von vorn erklären musst, wer Du bist und wie Du arbeitest. Das spart im Alltag sehr viel Zeit.
Eine Teilnehmerin hat mal so beschrieben, wann es anfängt ins Gegenteil zu kippen:

„Ich habe den Eindruck, dass man manchmal in seiner Bubble feststeckt und dass das Tool dann immer wieder im selben rumfischt. Wenn ich Fragen stelle, werde ich immer wieder bestätigt: Ja, das kannst Du auch genau so auf Dein Business anwenden. Aber es gibt keinen Hinweis: Aber beachte doch mal, und vielleicht wäre ja das auch nochmal spannend. Es ist immer nur dieses Selbstbestätigen."

Dazu kommt, dass Du irgendwann nicht mehr nachvollziehen kannst, worauf eine Antwort eigentlich beruht. Wenn ein Ergebnis nicht passt, fehlt Dir der Ansatzpunkt, weil das Störende in keinem Text steht, den Du gerade sehen kannst.

Eine richtige Lösung dafür gibt es nicht. Es ist eine Abwägung, und sie fällt je nach Arbeitsweise unterschiedlich aus.
Mehr Personalisierung durch mehr Erinnerungen führt dazu, dass die Nutzung weniger kontrolliert und neutral ausfällt.
2.5 · Die vier Wissensebenen

Information jeweils auf die kleinst mögliche Ebene

Zwölf Karten aus einem ganz normalen Arbeitsalltag. Überleg bei jeder, wo sie hingehört.

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Was wir wirklich steuern können, ist die Frage: Welche Information hat das Tool an welcher Stelle? Darüber lohnt es sich einmal grundlegend nachzudenken, zumindest dann, wenn Du strategisch mit so einem Tool arbeiten willst.

Global gehört das hin, was unverrückbar immer gilt. Also Dinge, die Du auch einer neuen Mitarbeiterin am ersten Tag ausgedruckt hinlegen würdest, damit sie über Dein Unternehmen und über Dich Bescheid weiß.

Ins Projekt gehört, was nur für einen Arbeitsbereich zählt. Ein Workshop, der einmal stattfindet, muss ja nicht das gesamte Tool beschäftigen.

In die Aufgabe gehört, was nur jetzt gerade zählt. Dass Du heute eine Tomatensauce kochen willst, braucht weder global noch im Projekt gespeichert zu werden.

Gar nicht ins Tool gehören Passwörter, Kundendaten und Kontodaten, also alles, was vertraulich ist und unter Datenschutz fällt.

Völlig eindeutige Richtlinien gibt es allerdings nicht. Es kommt wieder ganz auf die Situation und Deine persönliche Arbeitsweise an.
Global klingt erstmal am besten, weil das Tool dann ja am meisten weiß.

Doch für manche Aufgaben kann es sogar sinnvoll sein, wenn das Tool erstmal gar nichts über Dich weiß. Wenn Du zum Beispiel prüfen willst, wie eine fremde Person Deinen Text liest, stört jedes Vorwissen über Dich.

Deshalb lohnt sich auch bei den dauerhaften Einstellungen die Frage, ob es überhaupt Sinn macht, dass dort etwas steht. Und wenn ja, was.
Etwas gar nicht ins Tool zu geben, heißt nicht unbedingt, dass Du gar nicht auswerten kannst, sondern nur, dass es nicht in dieser Form hineingehört.

Aus „Protokoll Erstgespräch Frau Kerstin Müller, Musterstraße 4, geboren 1978, Thema: Konflikt mit ihrer Geschäftspartnerin" wird „Erstgespräch Klientin M., Ende vierzig, Selbstständige, Thema: Konflikt in einer Geschäftspartnerschaft".

Wichtig dabei: Pseudonymisierung ist nicht dasselbe wie Anonymisierung. Auch „Klientin M., Ende vierzig" kann in einem kleinen Umfeld noch auf eine bestimmte Person zurückführen. Pseudonymisierung reduziert das Risiko, hebt Datenschutzpflichten aber nicht automatisch auf. Je seltener die Kombination aus Alter, Beruf und Situation ist, desto weniger schützt sie.
2.6 · Kontext schlägt Formel

Kontext ist wichtiger als jede Prompt-Formel.

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Vor etwa einem Jahr war es tatsächlich noch hilfreich, beim Prompten einem festen Schema zu folgen, damit die Ergebnisse besser wurden. Rollenzuschreibungen wie „Du bist ein erfahrener Marketing-Experte" bringen heute deutlich weniger und schränken teilweise sogar ein, weil sie das Modell auf einen bestimmten Ton festlegen, den Du vielleicht gar nicht wolltest. Für manche Spezialfälle können sie weiterhin helfen.

Von den Formeln bleiben zwei Dinge übrig, und die sind es wert.

Sag, wofür es ist. Nicht als Rollenspiel, sondern als Zweck. Also wer liest das, in welcher Situation, und was soll danach passieren?

Sag, woran Du ein gutes Ergebnis erkennst. Länge, Ton, was auf keinen Fall vorkommen darf.

Insgesamt geht es also viel weniger um Prompting und viel mehr um Kontext- und Prozessmanagement.
Wenn Du die beiden Ergebnisse aus der Übung oben vergleichst, fällt auf, dass im rechten Post Dinge stehen, die in der Eingabe gar nicht wörtlich vorkommen. Der Tonfall, die Länge, die Art wie der Einstieg gebaut ist.

Das kommt nicht aus dem Prompt, sondern aus dem Kontext drumherum: aus den früheren Posts im Projekt, aus dauerhaften Einstellungen und gegebenenfalls aus Erinnerungen. Genau deshalb funktioniert die rechte Seite mit so wenig Anweisung.

Und genau deshalb lohnt es sich zu prüfen, was da eigentlich mitgeliefert wurde. Wenn ein Detail auftaucht, das Du nicht gesagt hast, ist es entweder aus Deinem Material gezogen oder erfunden.
Ich empfehle Dir, besonders bei der Umsetzung neuer Ideen die Diktierfunktion zu nutzen und zu sprechen, statt zu schreiben. So lieferst Du meist viel mehr relevanten Kontext, als beim Tippen.

Mir persönlich entspricht diese Herangehensweise außerdem sehr viel mehr (vielleicht geht es Dir auch so.) Es ist einfach angenehm, das Mikrofon anzumachen und meine neueste Idee unstrukturiert und ganz frisch hineinzuquatschen.

Wenn dann das Kontextmanagement drumherum stimmt und bestimmte Abläufe schon angelegt sind, kommt so ziemlich schnell etwas ziemlich Brauchbares heraus.

So kannst Du ein Diktat sinnvoll einleiten.
„Das sind meine Gedanken dazu, noch ganz ungeordnet. Hilf mir bitte herauszuarbeiten, was mein Ziel ist, welche Anforderungen ich habe und welche Fragen noch offen sind. Gehe noch nicht in die Umsetzung."
Die Herangehensweise, die ich Dir empfehle, ist nicht, dass Du Dich hinsetzt und Dir ein grundsätzliches System überlegst. Das habe ich mehrfach versucht. Ich habe mein ChatGPT komplett gelöscht, weil ich es ordentlich neu aufbauen wollte, und dann nie gemacht. Dann bin ich zu Claude gewechselt und habe angefangen, es ordentlich aufzubauen, und dann hat sich wieder etwas geändert.

Nimm stattdessen eine ganz konkrete Aufgabe, die Du immer wieder machst und bei der Dich etwas nervt. Wo Du denkst: Es wäre so cool, wenn das so und so gehen würde.

Bei mir war das der Podcast. Ich wollte meine Folgen am liebsten einfach nur in mein Handy sprechen, und alles andere sollte dann von selbst passieren. Also habe ich das mit Claude besprochen und erstmal gefragt, was ich dafür überhaupt an technischer Ausrüstung brauche. Daraus ist dann gemeinsam eine Methode entstanden.

Von dort aus wächst Du weiter. Und dabei lernst Du mehr, als Dir jedes vorher ausgedachte System beibringen könnte.
2.7 · Was mit Deinen Daten passiert

Du zahlst mit Geld oder mit Daten.

Kostenloser Zugang
Deine Eingaben werden mit ziemlicher Sicherheit zum Training der nachfolgenden Modelle genutzt, solange Du nicht widersprichst. Der Schalter dafür liegt irgendwo in den Einstellungen.
Bezahltes Einzelabo
Meist dieselbe Logik wie beim kostenlosen Zugang, teilweise mit etwas besseren Datenschutzmöglichkeiten. Muss auch eingestellt werden.
Team- und Business-Zugang
Deine Eingaben werden in der Regel nicht zum Training verwendet, und Du kannst hier einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung abschließen. Damit wird es DSGVO-konform möglich.
Temporärer Chat
Der wird nicht in Deinem Verlauf gespeichert und fließt auch nicht ins Memory. Für alles, was einmalig bleiben soll, ist das der praktischste Schalter.
Stand August 2026. Bitte informiere Dich regelmäßig, ob es Änderungen gibt.
Mehr dazu
Vereinfacht gesagt gilt die Regel: Entweder wir zahlen mit Geld oder wir zahlen mit unseren Daten.

Wenn Du die Tools kostenlos nutzt, werden Deine Eingaben mit ziemlicher Sicherheit zum Training der nachfolgenden Modelle genutzt. Du kannst das ausstellen. Die Stelle ändert sich immer mal wieder.

Im bezahlten Einzelabo ist es dieselbe Logik, nur meistens einfacher zu finden. Ein Abo allein ändert also nichts, die Einstellung schon.

Was es weder im kostenlosen Zugang noch im Einzelabo gibt, ist ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung. Den bekommst Du erst in Team- und Business-Zugängen. Die gibt es ab etwa 50 Euro im Monat, weil so ein Team-Zugang mit zwei Sitzen zu je ungefähr 25 Euro startet.

Wichtig dabei: So ein Vertrag ist für den rechtskonformen Einsatz nötig, er macht die Verarbeitung aber nicht von allein rechtmäßig. Zweck, Rechtsgrundlage, Datenminimierung, Berechtigungen, technische Sicherheit und die Übermittlung in Drittländer bleiben Deine Verantwortung. Für eine belastbare Einschätzung brauchst Du jemanden, der sich damit auskennt.

Und: In den Standardabos gehen die Daten immer auf amerikanische Server.
Viele stellen es sich so vor: Ich gebe ein, wo ich wohne, und wenn dann jemand anders fragt „Wo wohnt Silvia Streifel?", dann weiß das Tool das.

So funktioniert es nicht. Deine Daten werden irgendwo auf den Servern gespeichert, und wenn das nächste Modell trainiert wird, können sie als Trainingsdaten mit einfließen. Sie stecken dann nicht als Daten darin, sondern wieder in Form von Wahrscheinlichkeiten, also genau so, wie wir es in Kapitel 1 hatten.

Auf der einen Seite ist es also nicht ganz so schlimm, wie wir es uns oft vorstellen. Auf der anderen Seite sollten wir uns schon klarmachen, dass unsere Daten dorthin fließen, dort bleiben und in irgendeiner Form mitverarbeitet werden.
Beide Tools bieten eine Möglichkeit, einen Chat aus dem Verlauf herauszuhalten. In ChatGPT heißt das temporärer Chat und sitzt rechts oben als gestrichelte Sprechblase, Claude hat eine entsprechende Funktion.

Was das bedeutet: Der Chat erscheint nicht in Deinem Verlauf, fließt nicht ins Memory und wird nicht zum Training verwendet.

Was es nicht bedeutet: Dass gar nichts gespeichert wird. Aus Sicherheitsgründen werden solche Unterhaltungen typischerweise noch für eine begrenzte Zeit aufbewahrt, meist bis zu dreißig Tage. Das sind zwei verschiedene Dinge, und es lohnt sich, sie auseinanderzuhalten.

Für alles, was nicht in Deiner Historie auftauchen soll, ist der temporäre Chat trotzdem der praktischste Schalter.
Kapitel 3

Vom Chat zum agentischen Arbeiten

In den letzten Monaten hat sich hier am meisten getan. Danach kannst Du einordnen, was ein KI-Tool heute alles tun kann, und Du weißt, was Du ihm dafür jeweils geben musst.

3.1 · Zutaten für agentisches Arbeiten

Vom KI-Chat zum digitalen Multifunktionswerkzeug

Die Aufgabe bleibt immer dieselbe. Du kannst die Zutaten frei kombinieren, sie bauen nicht aufeinander auf.

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Am Anfang war ChatGPT wirklich nur dieses Chatfenster. Da konnte man etwas hineintippen, und dann kam ein Text heraus. Mittlerweile geht so viel mehr. Sprache, Bilder, Screenshots, PDFs und Tabellen als Eingabe, und genauso vielfältig ist die Ausgabe.

Dazu kommen Werkzeuge, die Du dem Tool zur Verfügung stellst, indem Du es mit anderen Plattformen verknüpfst. Bei Claude heißen die Konnektoren, bei ChatGPT Apps.

Diese Namen ändern sich übrigens laufend und sind von Tool zu Tool verschieden. Was heute Apps, Plugins, Konnektoren oder Skills heißt, kann nächstes Jahr anders heißen oder anders zugeschnitten sein. Deshalb lohnt es sich, die dahinterliegenden Prinzipien zu kennen: Es gibt Zutaten, die nur Informationen holen, und Zutaten, die tatsächlich etwas außerhalb des Chats verändern.

Die Zutaten bauen nicht aufeinander auf. Die meisten Aufgaben brauchen zwei oder drei davon und nicht alle sieben. Und der Chat bleibt immer der Ausgangspunkt.
Weil so vieles möglich ist, denkt man leicht, man müsse es dann auch tun. Die eigentliche Frage lautet aber: Was macht Sinn?

Nimm das Beispiel oben mal ernst. Am Ende steht eine Maschine, die dreimal die Woche richtig gute Social-Media-Posts auf allen Kanälen für Dich macht.

Hat das jetzt wirklich Dein Problem gelöst? Ist es das, was Du erreichen wolltest? Social Media fühlt sich für viele ohnehin schon blöd an, weil es so unpersönlich ist. Und wenn Du dann etwas baust, das es noch unpersönlicher macht, weil Du noch nicht einmal mehr selbst hineingehst und etwas hineintippst, wird es dann besser?

Es kann funktionieren. Wenn jemand richtig Spaß daran hat, sich so etwas zu bauen, und da Begeisterung drinsteckt, dann trägt es vielleicht auch.

Ob Du Dir Dein Social Media automatisieren solltest, weißt nur Du.
Wir können uns damit ewig befassen. "Ach, das könnte ich noch automatisieren, und da könnte es ja noch praktischer werden." Und dann sitzen wir am Ende eine Woche lang davor und sagen dem Tool immer wieder, dass wir das jetzt eigentlich doch anders haben wollen.

Am Ende haben wir einen riesengroßen Apparat gebaut. Und der produziert Posts, die vielleicht total natürlich und "nach mir" klingen, hochaktuell sind und nach allen Regeln der Kunst gemacht wurden, und die trotzdem irgendwie seelenlos sind.

Ob darüber wirklich mehr Kundinnen kommen, ist dann nochmal eine ganz andere Frage.
3.2 · Berechtigungen

Kontrolle gegen Leichtigkeit

Klicke die einzelnen Berechtigungen am, um die Konsequenzen zu sehen.

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Nein. Nichts ist automatisch verbunden. Du musst vorher selbst verbinden und die Verbindung bestätigen. Bei vielen Aktionen fragt das Tool zusätzlich nochmal nach, bevor es tatsächlich etwas tut.

Wie fein sich das regeln lässt, hängt allerdings vom jeweiligen Tool und vom gewählten Modus ab. Manche Verbindungen kennen nur an und aus, andere lassen sich für jede einzelne Aktion einstellen. Beim Kalender kannst Du zum Beispiel oft festlegen, dass das Tool keine Termine (mit eventuell vertraulichen Daten) lesen, aber neue Ereignisse anlegen darf.

Ein Restrisiko bleibt. Es gibt Betriebsarten, in denen Aktionen automatisch freigegeben werden, damit längere Abläufe nicht ständig unterbrochen werden. Und die Anbieter selbst weisen darauf hin, dass ihre Schutzmaßnahmen nicht lückenlos sind. Je mehr Werkzeuge und je mehr Berechtigungen Du gibst, desto leichter wird die Arbeit und desto mehr Kontrolle gibst Du ab. Es ist dasselbe Muster wie bei den Erinnerungen.
Daten ansehen. Vielleicht hast Du ein Postfach, in dem nur Newsletter auflaufen und keine Kundenmails. Dort Lesezugriff zu geben ist total genial, weil wir ja wissen, wie viele Informationen da zusammenkommen, und Du kannst danach fragen. Wenn allerdings doch mal eine Kundenmail hineinrutscht, dann hat das Tool die natürlich auch. Da müssen wir in der Organisation unseres Postfachs schon sehr klar sein.

Entwurf erstellen. Im ersten Moment denkt man, oh Gott, das Tool schreibt in meinem Namen E-Mails. Wenn Du es aber so einstellst, dass es nicht versenden darf, sondern nur Entwürfe anlegt, ist das sehr überschaubar. Du hast dann Deinen Entwürfeordner und kannst nochmal nachschauen.

Extern ausführen. Das ist dagegen wieder heikel. Wenn das Tool denkt, die Mail passt so, und schickt sie einfach raus, dann ist sie raus. Dasselbe gilt für Löschen, Überschreiben und Absagen von Terminen.
Nichts ist automatisch verbunden. Du verbindest, Du genehmigst, und bei vielem wird nochmal nachgefragt.
3.3 · Prompting für agentisches Arbeiten

Von kurzen Prompts zu einer Anweisung

Chat
Du: „Wie könnte ich den Workshop aufbauen?"
Vorschlag in vier Blöcken
Du: „Der dritte Block ist zu lang."
Gekürzte Fassung
Du: „Und jetzt als Handout."
Handout als Text im Chat
Du: im Kalender nachsehen, Uhrzeit ergänzen
Du: kopieren, einfügen, formatieren, speichern
Auftrag für agentisches Arbeiten
Du: „Erstelle die Unterlagen für den Workshop am 12. September."
sieht im Kalender nach: Termin, Uhrzeit, Ort
holt die Anmeldungen aus dem Buchungstool
liest Konzept und Handout aus dem Projektordner
recherchiert zwei aktuelle Beispiele im Netz
entwirft, gleicht mit Deiner Vorlage ab, überarbeitet
legt Ablaufplan und Handout im Ordner ab
bereitet die Einladungs- und Erinnerungsmail als Entwurf vor
Du prüfst. Stimmt das so? Was hat es angenommen? Und was hat es dabei verändert?
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Agentisches Arbeiten heißt, dass das Tool quasi selber entscheidet, auf welche Information es zugreift, welchen Schritt es als nächstes geht und welches Werkzeug es dafür nimmt.

Der klassische Chat ist deswegen nicht überholt. Er ist genau richtig, solange Du Dir selbst noch Klarheit verschaffen willst. Also erstmal: Wie könnte ich den Workshop aufbauen? Dann kommt ein Vorschlag, Du gibst Deine Rückmeldung, bekommst eine andere Fassung, und dann sagst Du den nächsten Schritt. Das ist schon mega genial, und es ist wirklich von Vorteil, eine Weile so gearbeitet zu haben, weil man dabei ein Gefühl dafür bekommt.

Was jetzt zusätzlich möglich ist: Wenn der Prozess vorher klar ist und Kontext und Werkzeuge bereitstehen, brauchst Du diesen Chat gar nicht mehr. Dann sagst Du direkt, was am Ende dastehen soll.

Der Prüfpunkt am Ende ist deshalb nicht nur der Abschluss, sondern der Preis dafür. Alles, was Du an laufender Kontrolle einsparst, holst Du am Schluss in einem Stück nach.
Je mehr das Tool selbst tun darf, desto wichtiger wird, was Du ihm ausdrücklich untersagst. Diese Sätze gehören direkt in den Auftrag:

„Erstelle nur Entwürfe, versende nichts. Überschreibe keine vorhandenen Dateien, sondern lege neue an. Nenne mir für alles Recherchierte die Quelle. Und wenn etwas unklar ist, frag nach, statt zu raten."

Das kostet Dich vier Zeilen und nimmt Dir den größten Teil der Sorge. Alles, was danach passiert, ist entweder ein Entwurf oder eine Rückfrage.
Nimm den Auftrag „Erstell mir die Unterlagen für den Workshop". Ob das eine gute Idee ist, hängt völlig davon ab, wer Du bist.

Nehmen wir an, Deine große Leidenschaft ist es, Kunstschmiedin zu sein. Du machst Workshops dazu und möchtest Deinen Teilnehmerinnen Unterlagen mitgeben, die immer gleich aussehen und nur das jeweilige Thema behandeln. Methodisch-didaktisch bist Du überhaupt nicht stark und willst es auch gar nicht sein. Dann macht so etwas total Sinn.

Wenn allerdings der Workshop an sich Dein Kern ist, also Deine Methode, Dein Prozess und Deine Erfahrung, dann gibst Du damit genau das aus der Hand, wofür Dich Menschen buchen.
3.4 · Coding als Ausblick

Die Grenze dessen, was Du selbst digital umsetzen kannst, hat sich verschoben.

Früher
Du schreibst Deine Idee auf, suchst jemanden, holst ein Angebot ein, erklärst alles, wartest, hast einen Änderungswunsch und wartest wieder.
Wochen
Heute
Du beschreibst es, schaust es Dir an, lässt es ändern und schaust wieder. So lange, bis es passt.
Nachmittag
Eine Webseite Ein Flyer Eine kleine Web-App Ein Rechner für Deine Preise Ein Handout als PDF

Die Gefahr: Du tust Dinge, einfach weil sie jetzt so leicht sind. Brauchst Du sie wirklich?

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Die Grenze dessen, was für jede und jeden digital möglich ist, hat sich wirklich sowas von verschoben. Eine Website, ein Flyer, kleine Web-Apps, ein Rechner für die eigenen Preise oder ein Dashboard, in dem Du irgendwelche Zahlen überwachen kannst: Das können wir alles einfach so schnell erzeugen.

Früher haben wir für manche Sachen jemanden beauftragen müssen. Und das hat uns nicht nur Geld gekostet, sondern vor allem Zeit, weil wir ja ständig warten mussten, bis die Person fertig ist, es uns dann anschauen und wieder Rückmeldung geben. Jetzt machen wir es einfach direkt.

Die Qualität liegt dabei durchaus über dem, was durchschnittliche Dienstleistung liefert. An eine wirklich gute Designerin kommt es dagegen nicht heran und der manchmal ja auch sehr wertvolle menschliche Teil geht dabei verloren.
Ich hatte noch nie die Geduld, PowerPoint-Präsentationen zu bauen. Dadurch hat meinen Kursen oft der optische Anker gefehlt.

Jetzt habe ich mit Claude über meine Ideen gesprochen wie mit einem Menschen, und am Ende stand unter Anwendung all des hier gezeigten Wissens diese Seite.

Ich mache seit fast 25 Jahren Erwachsenenbildung und habe es schon immer geliebt, mir irgendwelche Methoden und kleinen Spielereien auszudenken, um etwas noch klarer zu machen. Und jetzt erzähle ich das einfach, und daraus entstehen diese Bildchen, die man hin- und herschieben kann.

Genau darin liegt auch eine Gefahr: Dass nämlich die Begeisterung für die technischen Möglichkeiten das überlagert, was eigentlich mein Wert dabei ist: Das methodisch-didaktische Wissen, die Erfahrung und vor allen Dingen das Hineinversetzen in meine Teilnehmerinnen. Es ist ein fortwährender Prozess, beides - Technik und das Menschliche - immer besser zu verbinden.
Daraus folgt jetzt nicht, dass wir ganze Webseiten einfach mal eben schnell selbst machen.

Es kommt darauf an, was diese Website können soll. Eine Seite wie diese hier ist gut machbar. Eine umfassendere Website mit Blog oder sogar mit einem Shop ist auch möglich, die ist aber nicht mal eben an einem Nachmittag und vor allen Dingen nicht ohne Vorwissen rechtssicher zu bauen.

Und noch etwas: Für größere Projekte brauchst Du auf jeden Fall ein bezahltes Abo. Im kostenlosen Zugang kommst Du immer wieder an Kapazitätsgrenzen, und manche Funktionen stehen Dir dort gar nicht zur Verfügung.
Kapitel 4

KI führen

Hier geht es um den Teil der Arbeit, den kein Tool übernimmt. Danach weißt Du, was Du tun kannst, wenn ein Ergebnis nichts taugt, und was auch dann bei Dir bleibt, wenn die KI fast alles macht.

4.1 · Die drei Führungsaufgaben

Die KI führt Arbeit aus. Du führst die KI.

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Es ist derselbe Dreiklang wie bei jeder Zusammenarbeit mit Menschen, deshalb kannst Du das im Grunde schon. Neu ist nur eines: Bei einem Menschen darfst Du darauf vertrauen, dass er nachfragt, wenn der Auftrag unklar ist oder sich etwas einfach nicht stimmig anfühlt. Ein KI-Tool fragt seltener nach. Es macht einfach.

Deshalb wandert Gewicht auf die erste und die dritte Station.

Richtung geben heißt, nicht einfach nur zu sagen, dass Du einen Social-Media-Post haben willst, sondern nochmal einen Schritt runterzugehen. Warum will ich den überhaupt? Welches Problem löse ich damit? Und vor allem, was ist mir dabei wichtig, also auch im Sinne von Werten?

Ergebnis beurteilen ist der Schritt, der am häufigsten wegfällt. Es ist ja auch sehr verlockend zu sagen: Ach naja, das ist doch schon so cool, ich nehme das jetzt einfach so.

Die größte Herausforderung überhaupt ist, dass wir das nicht vergessen und uns nicht vor lauter Begeisterung darüber, was alles möglich ist, von der KI führen lassen.
Die erste Version dieser Seite, die Claude mir ausgegeben hat, war vom Prinzip her auch schon gut. Gerade in den interaktiven Teilen waren jedoch teilweise wirklich Logikbrüche drin. Ich habe selbst eine Weile gebraucht, um darauf zu kommen, dass das so gar nicht richtig passt. Es war total cool und beeindruckend, und es war eben trotzdem einfach nicht richtig.

Umso länger ich mich mit der Seite befasst habe, umso mehr habe ich bemerkt, was einfach noch flüssiger, stimmiger, menschlicher sein könnte. Und ich habe noch viel geändert.

Dafür braucht es Sachverstand, Aufmerksamkeit und vor allem Geduld. (Die fällt mir oft schwer. Bei einer Einkaufs- und Essensplanungs-App für unsere Familie fehlen bis heute die letzten zwei Funktionen, weil ich einfach nicht mehr die Geduld hatte, dafür nochmal hineinzugehen.)
Am besten fängst Du mit Zettel und Stift an. Dann kommst Du gar nicht erst in die Versuchung, Dir von der KI hineinreden zu lassen.
4.2 · Wenn das Ergebnis nicht taugt

Was hat gefehlt?

Statt dreimal nachzubessern: im Chat zurückgehen und dort verbessern, wo es schiefging. Oder neu anfangen.
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Nachbessern ist fast immer der bessere erste Versuch. Wichtig ist dabei, dass Du sagst, was am Ergebnis brauchbar war. „Der zweite Absatz passt genau, der Rest ist zu werblich" ist eine völlig andere Anweisung als „nochmal".

Zurückgehen und editieren ist der Weg, den die meisten gar nicht kennen. In beiden Tools kannst Du eine frühere Nachricht bearbeiten und von dort aus neu starten. Damit verschwindet alles, was danach kam, und das ist oft genau das, was gestört hat.

Ganz neu anfangen lohnt sich dann, wenn sich das Tool verheddert hat oder der Verlauf einfach zu lang geworden ist.

Das ist dann wiederum diese menschliche Führung. Also entscheiden zu können, dass das Modell an dieser Stelle gerade versagt, und dafür zu sorgen, dass wir wieder auf die richtige Linie kommen.
Bevor Du für die gleiche Aufgabe einen neuen Chat startest, frag einfach danach:

„Bitte fasse mal die wichtigsten Informationen aus diesem Chat zusammen, die relevant sind, um diesen Social-Media-Post zu erstellen."

Diese Zusammenfassung kopierst Du in den neuen Chat. Du verlierst nichts Wichtiges und fängst mit einem aufgeräumten Fenster an.
Dieser Satz enthält keine einzige verwertbare Information. Das Tool weiß ja nicht, was Dir gefehlt hat. Es hatte auch beim ersten Mal schon die Absicht, es gut zu machen.

Was dann passiert, ist ziemlich berechenbar. Es ändert etwas Sichtbares. Meistens wird es länger oder blumiger, oder es kommen Aufzählungen dazu. Anders ist eben leichter zu erzeugen als besser.

Denselben Effekt haben „ausführlicher", „professioneller" und „kreativer", solange nicht dabeisteht, woran man das erkennen soll.
4.3 · Echte KI-Kompetenz

Echte KI-Kompetenz

KI-Kompetenz ist Selbstführung
plus grundlegendes Wissen über künstliche Intelligenz
plus klare Kommunikation.
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Echte KI-Kompetenz besteht aus drei Teilen, und nur einer davon ist technisch.

Selbstführung. Ein KI-Tool kann Begeisterung spiegeln, Ideen plausibel begründen und den Eindruck erzeugen, dass es Dich besonders gut versteht. Das ist aber keine Urteilskompetenz. Es kann Dir beim Denken helfen, und es trägt trotzdem nicht die Verantwortung dafür, was für Dich richtig ist.

Grundlegendes Wissen. Also genau das, worum es auf dieser ganzen Seite geht. Ohne dieses Wissen kannst Du gar nicht entscheiden, wo der Einsatz für Dich sinnvoll ist.

Klare Kommunikation. Sagen können, was Du meinst. Und wenn Du es selbst noch nicht weißt, Dich fragen lassen, statt Andeutungen zu machen.

Unsere wichtigste Kompetenz ist die Entscheidung, wo und wie wir es nutzen und wo wir es ganz bewusst nicht nutzen.
Erfolgreich heißt nicht, schnell viele coole Sachen zu produzieren. Erfolgreich heißt, dass dabei etwas herauskommt, das für Dich und für die Menschen um Dich herum gut ist. Ich verstehe die grundlegenden Mechanismen gut genug, um selbst zu entscheiden, wann, wofür und auf welche Weise ich KI einsetze.
Abschluss

Fünf Fragen, bevor Du eine größere Aufgabe abgibst.